Trotz mäßigen Spiels hat die deutsche Nationalmannschaft mit einem 3:2 gegen starke Türken den Einzug ins EM-Finale geschafft.
Fairerweise das vorweg: Respekt an die Türken, die nicht nur engagierter, sondern über lange Strecken des Spiels auch überzeugender und einfach besser gespielt haben als die Deutschen. Dennoch,. Deutschland steht im Finale der Euro 2008 und trifft am Sonntag im Finale auf Spanien, das erneut sehr überzeugend gegen Russland gespielt hat und die Mannschaft um Coach Hiddink mit 3:0 aus dem Turnier geworfen hat. Nun wollen wir Deutschen nicht lange meckern und uns stattdessen freuen, dass „wir“ im Endspiel sind.
An dieser Stelle sollen die größten Mangelerscheinungen des deutschen Spiels lediglich kurz analysiert werden. Analysieren, nicht meckern. Abgesehen davon, dass alle Spieler wie bereits gegen Kroatien und Österreich körperlich und geistig langsamer erschienen als ihre Gegenspieler, fehlte erneut über lange Strecken die Bindung zwischen Abwehr, Mittelfeld und Sturm. Das hatte zwei Gründe: zum einen funktionierte das gegen Portugal so effektive 4-2-3-1 nicht so wirklich, zum anderen war Kapitän Ballack in diesem Spiel völlig abgemeldet. Sonstige Schwachstellen waren: Jens Lehmann, der erneut nicht sicher war. Die Abwehr, die eine zurück gewonnene Souveränität aus dem Portugal-Spiel wieder verloren hatte. Das defensive Mittelfeld, denn Rolfes und Hitzlsperger konnten ebenfalls nicht an die Leistung aus dem Viertelfinale anknüpfen. Neben anderen kleineren Problemen ließen diese Defizite jedem anständigen Fußballfan die Haare zu Berge stehen
Damit ist genannt, was während des Spiels gegen aufopferungsvoll kämpfende Türken nicht so funktionierte wie geplant. Nun aber soll der Blick nach vorne gerichtet werden. Es gibt durchaus Grund zur Hoffnung, auch wenn man die Rolle des Favoriten im Finale ganz klar den Spaniern zugestehen muss. Diese haben schließlich während des ganzen Turniers mit ihrem temporeichen Offensivfußball begeistert. Viel wichtiger als deren schnelles Kurzpassspiel in die Spitzen ist die makellose Defensivleistung. Gegen die enttäuschenden Russen haben die Spanier kaum eine Chance zugelassen. Was aber lässt sich aus diesen Tatsachen Positives für die deutsche Mannschaft ziehen?
Gar nicht mal so wenig. Was wohl der entscheidende Punkt sein mag, ist die Tatsache, dass die Spanier nach vorne spielen müssen. Das ist ihr System. Sie können nicht wie die Türken oder die Kroaten sehr tief stehen. Das macht Hoffnung, denn von der Spielanlage her ähneln die Spanier ganz klar den Portugiesen. Und in diesem Spiel hat man gesehen, dass die Deutschen mit einer offensiveren Mannschaft besser zurecht kommen, weil diese Spielweise mehr in ihr eigenes Konzept passt. Zudem besteht die Hoffnung, dass man die Form aus dem Viertelfinale wieder findet und man sich vielleicht sogar noch steigern kann. Außerdem heißt es ja immer, dass bei den K.O.-Spielen die jeweilige Tagesform entscheidet. Und die Deutschen hatten nun schon drei Spiele, in denen ihre Tagesform nicht gerade bestechend war. Da haben wir den Spaniern etwas voraus. Und schließlich hat es Michael Ballack satt, ewig Zweiter zu sein. Vizeweltmeister 2002, Dritter bei der WM im eigenen Land, Vizemeister in England, Vizemeister der Champions League. Jetzt reicht’s. Und Deutschland wird Europameister!

