Viva España – Adiós Alemania!
44 Jahre nach dem bis dato einzigen großen Titel der Selección setzten sie sich am Sonntag verdientermaßen mit 1:0 gegen die Jungs von Jogi Löw durch. Nach einer steten Berg- und Talfahrt der Leistungen bis zum Finale in Wien konnte sich die deutsche Mannschaft gegen die in allen Belangen überlegenen Spanier nicht durchsetzen und wurde Vizemeister.
Obwohl die Deutschen in den ersten 15 Minuten an der Partie noch einigermaßen aktiv teilhatten, hatten sie den spanischen Ballkünstlern später nichts mehr entgegenzusetzen. Sie konnten sich gar glücklich schätzen, dass selbige es versäumten, Großchancen zu verwerten und das Spiel früher sowie deutlicher zu entscheiden, als dieser knappe Sieg dies vermuten ließe.
Die Deutschen wurschtelten sich bis zum Endspiel durch das Turnier, einzig in der Auftaktpartie gegen Polen und dem Viertelfinale gegen die Portugiesen konnten sie ihr Potential und die individuelle Klasse aufzeigen. Schon das zweite Vorrundenspiel geriet zum Desaster und ein Scheitern in der Gruppenphase denkbar nahe, als eine scheinbar überhebliche deutsche Mannschaft gnadenlos für ihren Glauben an die eigene Unfehlbarkeit durch die Kroaten abgestraft wurde und schon die letzte Partie der Vorrunde gegen Österreich zum Endspiel wurde, in dem man sich mit Müh‘ und Not, aber anerkennenswerter Weise auch mit viel Einsatz und Willenskraft – weniger spielerischer Klasse den Einzug in das Viertelfinale ebnete. Als Jogi’s Jungs dort auf die favorisierten Ballkünstler der Portugiesen und allen voran den derzeit wohl besten Fußballer der Welt Cristiano Ronaldo trafen, zeigte die Mannschaft ein völlig anderes Gesicht und lieferte eine Galavorstellung ab, nach der man fast glauben wollte, dass der Durchmarsch zum vierten EM-Titel nur noch eine reine Formsache wäre. Dem war nicht so. Schon im Halbfinale gegen die Türkei kamen die Deutschen schon nicht mehr zurecht, lieferten – abgesehen von Kampfeswillen und Einsatzbereitschaft – eine abermals allenfalls als mäßig zu bezeichnende spielerische Leistung ab, die am Ende dennoch zum Einzug in das Finale reichte.
Ganz anders verlief die Bergtour der Spanier: von einem Gipfel zum nächsten, von einer Galavorstellung zur nächsten. Der einzig weniger ansehnliche Auftritt der Kicker um Luis Aragonés fand seine Bühne beim Viertelfinalspiel gegen die Italiener, welche aufgrund ihrer defensiven Spielweise das tiqui-taka, das berühmte Kurzpassspiel der Spanier, unterband. Dennoch setzten sie sich an diesem Abend verdientermaßen letztendlich im Elfmeterschießen durch.
Und obwohl die Selección in der Anfangsphase des Finals noch etwas zögerlich ins Spiel fand, begeisterten sie danach umso mehr mit ihrem Offensivfußball. Allen voran Fernando Torres, der Siegtorschütze des einzigen Treffers der Partie, zeigte sowohl den deutschen Abwehrrecken, wie man eine Defensive nicht organisieren sollte, als auch dem deutschen Stürmer Miroslav Klose, wie eine alleinige Spitze stets gefährlich sein und Chancen erarbeiten sowie verwerten kann.
Alles in allem kann die deutsche Nationalmannschaft zufrieden sein, es ins Finale geschafft zu haben, denn nach den letzten Spielen vor und während der EM hätte wohl niemand wahrlich an der Teilnahme am Endspiel und dem Vizetitel geglaubt.
Patricia Amberger
