Mission Klassenerhalt: Mission Impossible?

 

Der Kader wurde verkleinert, alte Zöpfe abgeschnitten. Ob langjährige Leistungsträger, die den Zenit überschritten haben (Jörg Böhme, Matthias Hain, Petr Gabriel), Spieler, die ihr Potential bei den Blauen selten haben abrufen können (David Kobylik, Ioanis Masmanidis) oder langzeitverletzte Jungspunde, die den Hals nicht voll genug bekommen (Matthias Langkamp). All diese Abgänge entschlacken den proppevollen Kader der letzten Saison und machen Gelder frei für gezielte Neuverpflichtungen. Fertige Zugänge sollen es sein. Einkäufe, die das Team sofort verstärken, sich nicht erst entwickeln müssen. Trotzdem dürfen sie nicht zu alt sein. Ein Verjüngungsprozess soll in Gang gesetzt werden; trotz der Abgänge Hains, Böhmes und Gabriels quillt der Kader fast über vor Akteuren, die sich an das 30.Lebensjahr nur noch verschwommen erinnern können. So hat man nun auch die ersten Schritte unternommen, um auch im nächsten Jahr eine schlagfertige Truppe in die Liga schicken zu können. Nico Herzig aus Aachen wurde verpflichtet. Schön, so schlecht wird er schon nicht sein und öfter verletzt als Langkamp sicherlich auch nicht. Stürmer Berat Sadik kam aus Finnland. 1,95 Meter hoch, Typ Wand- und Perspektivspieler, mit seinen 21 Jahren eine astreine Wundertüte. Zuletzt wurde dann noch Rechtsverteidiger Michael Lamey aus Duisburg losgeeist. Gute Verpflichtung, außerdem bitter nötig. Die Rechtsverteidiger-Position bekleidete in der abgelaufenen Saison meist der schlacksige Innenverteidiger Markus Bollmann. Skurile Slapstick-Einlagen gegen technisch versierte Außenstürmer blieben keine Seltenheit. Trotzdem durfte Bernd Korzynietz nie spielen. Der Ex-Gladbacher soll verkauft werden. Allerdings hat er noch einen guten Vertrag und gerade Nachwuchs bekommen, da macht er es sich lieber auf der Ersatzbank bequem. Lukrative Bewerber stehen sowieso nicht gerade Schlange.

Aber trotz Herzig, Lamey oder Sadik: Geht der Kader so in die nächste Saison, dann ist der Traum vom sechsten Jahr Bundesliga hintereinander vorbei. Wo sind die richtigen Verstärkungen? Dass man im letzten Jahr trotz kümmerlichen 34 Punkten die Klasse gehalten hat, ist nicht der eigenen Stärke, sondern der Schwäche der Mitkonkurrenten geschuldet. Dennoch lügt sich der Vorstand (mal wieder) in die eigene Tasche. Man fühlt sich gut gerüstet und stark genug, den Klassenerhalt ohne größere Probleme zu schaffen. Lediglich ein linker Mittelfeldspieler (Vlad Munteanu?) soll noch verpflichtet werden. Dabei wird vergessen, dass statt Duisburg oder Rostock im nächsten Jahr finanzstarke Aufsteiger wie Köln, Gladbach oder Hoffenheim die Konkurrenten sind. Um da mitzuhalten müsste der Kader grundlegend erneuert werden. Ein Linksverteidiger, ein defensiver Mittelfeldspieler und ein Spielmacher, die eine Verbesserung garantieren, müssten mindestens verpflichtet werden. Denn im Vergleich mit den Rivalen hat nur Cottbus einen ähnlich stark (oder schwach) einzuschätzenden Kader. Sogar der ungeliebte VfL Bochum konnte es sich leisten, Spieler wie Hashemian oder Freier zurückzuholen und dabei Goalgetter Sestak nicht zu verlieren.

Dass die Arminia finanziell nicht auf Rosen gebettet ist, das ist bekannt. Und traurig zugleich. Nach fünf Jahren Bundesliga sollte es ein selbsternannter Finanzfachmann wie Roland (Knauser) Kentsch es doch mal schaffen, Sponsoren zu aquirieren, die bereit sind mehr als Nüsse in den Verein zu investieren. Dass sich die Vorraussetzungen seit dem Wiederaufstieg 2004 nicht geändert haben, ist ein Armutszeugnis.

 

Thierry Krauser          

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