Bochum kann nicht über 90 Minuten mithalten / Siegtreffer in Überzahl
Ein bisschen glücklich, aber nicht unverdient: Der VfB Stuttgart kam durch einen 2:1-Auswärtssieg beim VfL Bochum dem internationalen Geschäft ein Stückchen näher. Die heimischen Bochumer hingegen verloren ihr zweites Heimspiel in Folge und machen es in Sachen Abstiegskampf spannend: Gerade zwei Zähler trennt die Koller-Elf vom Relegationsplatz.
Mit Blick auf das saftige Restprogramm und nur drei verbleibenden Heimspielen ein dünnes Polster. Doch dürfte der VfL in der Form der zweiten Halbzeit vom Wochenende auch gegen so manch´ vermeintliches Großkaliber noch für eine Überraschung gut sein. Wenn nur die körperliche Verfassung der „Blau-Weißen“ in Zukunft 90 Minuten höchstes Tempo zulässt. Beste Beispiele für Bochumer Schwächen gegen die Schwaben waren Dabrowskis unbedrängter Plumpser auf den Hosenboden einige Minuten vor Spielende und vor allem der Siegtreffer: Als Serdar Tasci zum Stuttgarter 2:1 einschoss, ließ sich der Bochumer Philipp Bönig mit einem Wadenkrampf am Spielfeldrand behandeln. Blöder Zufall, unwesentliches Detail oder eben doch spielentscheidend? Mit Bönig auf dem Platz hätte die kurz ausgespielte Ecke über Hitzlsperger so vielleicht nicht stattgefunden.
Last-Minute-Gegentore
Nicht zum ersten Mal brachte sich Bochum so in dieser Saison auf die Verliererstraße. Auch die vereinseigene Website spricht von den „vermaledeiten Last-Minute-Gegentoren“. Diesmal lag der Grund für die fehlende Konzentration und den kollektiven Tiefschlaf der Gastgeber in eben dieser Szene womöglich das verdammt hohe Tempo vor allem zu Beginn der zweiten Spielhälfte, als man sich Chance um Chance erarbeitete. So guten Fußball wie in den zwanzig Minuten nach Wiederanpfiff hatten die diesmal 24718 Zuschauer an der Castroper Straße in dieser Saison noch nicht gesehen. Logische Folge: Das 1:0 durch Joel Epallé, der bei einer scharfen Flanke einen Stellungsfehler von Jens Lehmann ausnutzte und den Zeberus so mit dem Ball in den Händen hinter die Torlinie zwang (48.). Nach gut einer Stunde aber übernahmen mehr und mehr die Gäste das Kommando und kamen folgerichtig zu zahlreichen Großchancen und zu zwei Toren durch Cacau (58.) und eben Tasci (89.).
Fernab jeder Fairness
Der VfL Bochum muss in der kommenden Woche zur TSG Hoffenheim, der man in der Hinrunde auf eigenem Platz noch in allen Belangen unterlegen war. Das dürfte sich jetzt anders darstellen, zumal sich die personelle Situation des VfL weiter entspannt. So könnte Marc Pfertzel zum Beispiel nach ausgesessener Rot-Sperre rechts für Marcel Maltritz verteidigen. Der Kapitän, für den das Spiel gegen Stuttgart sichtlich zu früh kam, wiederum wäre ein heißer Kandidat für den Posten vor der Abwehr. Apropos Abwehr: Bester Bochumer war einmal mehr U21-Nationalspieler Mergim Mavraj. Wieder einmal fernab jeder sportlichen Fairness meldete sich jedoch VfL-Stadionsprecher Michael Wurst nach der Führung durch Epallé mit Blick auf den Fehler des VfB-Schlussmanns Lehmann zu Wort: „Keiner holt den Ball so schön aus dem Tor.“
mik
Bochum: Fernandes, Maltritz, Mavraj, Yahia, Bönig, Imhof, Dabrowski, Epallé, Grote (ab 68. Sestak), Azaouagh (ab 72. Freier), Klimowicz (ab 72. Kaloglu).
Stuttgart: Lehmann, Träsch, Delpierre, Tasci, Magnin, Hitzlsperger, Lanig, Hilbert (ab 88. Elson), Gebhart (ab 79. Simak), Cacau, Gomez (ab 82. Schieber).
Tore: 1:0 (48.) Epallé, 1:1 (58.) Cacau, 1:2 (89.) Tasci.
Zuschauer: 24718
